Klimabündnis Lebensmittel legt die nächsten Schritte fest
Zwölf Entscheidungsträger aus Landwirtschaft, Lebensmittelverarbeitung und Detailhandel haben am Treffen des Klimabündnisses Lebensmittel konkrete Lösungen zur weiteren Senkung von Treibhausgas-Emissionen bei der Herstellung von Lebensmitteln Richtung Netto-Null beraten. Sie haben entschieden, sich in einem ersten Schritt auf den Bereich Milch zu fokussieren und bis im Sommer offene Fragen zu klären. Die Erkenntnisse daraus sollen in die Diskussionen der Branchen Fleisch und Getreide einfliessen. Zudem wurde der Auftrag erteilt, den Aufbau einer neutralen Plattform zur Abwicklung und Verwaltung von Daten für Entschädigungszahlungen an die Landwirtschaft auszuschreiben.
Das Klimabündnis Lebensmittel, an dem sich inzwischen über 20 Organisationen und Unternehmen beteiligen, ist Ende September 2025 aus dem Runden Tisch «Klimamassnahmen in der Landwirtschaft» (vom 11. Juni 2025) hervorgegangen. Das Klimabündnis hat sich zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen bei der Produktion von Lebensmitteln entlang der gesamten Wertschöpfungskette in Richtung Netto-Null zu senken. In der Mitte Juli verabschiedeten Absichtserklärung wurden fünf Punkte (vgl. unten) definiert, die seither in unterschiedlichen Arbeitsgruppen bearbeitet werden. Konkret werden einheitlich berechnete, SBTi-konforme Emissionsfaktoren festgelegt, ein standardisierter Datenaustausch umgesetzt und ein faires Finanzierungsmodell entworfen.
Pilotprojekt Milch – Umsetzung der Klimaziele ist möglich
Weil es so komplex ist, die gemeinsamen Ziele umzusetzen, entschied das Klimabündnis, diese am Beispiel der Milch-Branche in einem Pilotprojekt konkret durchzuspielen. IP-SUISSE, Bio Suisse und die Branchenorganisation Milch (BO Milch) erhielten in der Folge den Auftrag, zu prüfen, inwiefern die verschiedenen Klimasysteme verbunden werden können. Während das Klimasystem der BO Milch sektoriell Produktionsdaten einzelner Betriebe verwendet, arbeiten IP-SUISSE und Bio Suisse gesamtbetrieblich mit aggregierten Daten. Beide Systeme erfüllen gemäss Experten-Gutachten die SBTi-Vorgaben und sind für die Umsetzung des Vorhabens geeignet. Das Pilotprojekt wird mit wissenschaftlicher Unterstützung ergebnisoffen weitergeführt, um ein System zu entwickeln, das der Absichtserklärung des Klimabündnisses entspricht.
Nach Milch-Branche folgen Fleisch und Getreide
Basierend auf diesen Erkenntnissen haben die CEOs den Auftrag erteilt, alle offenen Fragen zum Pilotprojekt Milch bis im Sommer 2026 zu klären. Dieses dient als Grundlage für die Diskussionen in den ebenfalls relevanten Branchen Fleisch und Getreide. Der Fokus bei der Milch liegt in der ersten Phase auf der Entwicklung eines verbindlichen Klimabündnis-Branchen-PCF (Product Carbon Footprint) auf Stufe konventionelle, IP- und Bio-Landwirtschaft. Allfällige weitere abnehmerspezifische PCF sollen zu einem späteren Zeitpunkt ermöglicht werden. Im Weiteren wurde der Auftrag erteilt, Kriterien für eine neutrale Plattform zur Abwicklung und Verwaltung von Daten für Entschädigungszahlungen an die Landwirtschaft zu entwickeln. Der Betreiber dieser gemeinsamen Plattform soll mittels einer Ausschreibung ermittelt werden.
Absichtserklärung mit 5 Punkten
Zu diesen fünf Punkten haben sich alle Akteure in der Absichtserklärung vom 14. Juli 2025 bekannt:
-
Reduktion der Treibhausgas-Emissionen Richtung Netto-Null durch Umsetzung von wirkungsvollen Massnahmen, die eine gesamtheitlich nachhaltige Anbaupraxis anstreben, ohne die inländische Produktion zu verringern.
-
Einheitlich berechnete SBTi konforme Emissionsfaktoren für alle relevanten Rohstoffe, inkl. periodischer Aktualisierung.
-
Standardisierter Datenaustausch entlang der Wertschöpfungskette.
-
Erarbeiten eines Finanzierungsmodells, welches die Herkunft und Verwendung der Mittel sicherstellt und Marktverzerrungen verhindert.
-
Abgeltung der von den Produzenten erbrachten Leistungen (inkl. der vorgängigen Datenerhebungen) durch höhere Zuschläge (beispielsweise Richtpreiszuschlag im Milchbereich) am Markt durch die jeweiligen Abnehmer (u.a. Verarbeitung, Handel und Industrie). Diese Abgeltungen werden separat ausgewiesen.
Klimabündnis Lebensmittel
Insgesamt haben sich bis jetzt über 20 Organisationen und Unternehmen dem «Klimabündnis Lebensmittel» angeschlossen. Mit diesem einzigartigen Schulterschluss setzen Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel ein klares Zeichen zur Verringerung des ökologischen Fussabdrucks von Lebensmitteln. Dies sind Aldi Suisse, Bio Suisse, Coop, Denner, Emmi, fenaco, IP-SUISSE, Lidl Schweiz, Migros-Genossenschafts-Bund, Nestlé, SBV, WWF (alle im CEO-Gremium vertreten) sowie AgroImpact, BO Milch, BauernUnternehmen, FiBL, Florin, HAFL, Mutterkuh Schweiz, Proviande, SALS, Swiss granum, VSGF.